„Nachhaltig“ steht inzwischen auf fast jedem Etikett. Das macht das Wort nicht falsch — nur unbrauchbar. Wenn alles nachhaltig ist, sagt es nichts mehr.
Deshalb hier keine Behauptung, sondern fünf Merkmale, die Ihr an einem Kleidungsstück selbst nachprüfen könnt. Vor dem Kauf, im Laden oder am Bildschirm.
Eines vorweg, weil es selten so offen kommt: Unser Jersey ist kein Naturmaterial. Je nach Teil besteht er aus Polyester und Elasthan oder aus Viskose und Elasthan. Nachhaltig wird ein Stück bei uns nicht dadurch, woraus es ist — sondern dadurch, wie lange und wie oft es getragen wird. Alles, was jetzt kommt, zahlt auf diese eine Frage ein.
1 · Der Stoff kommt von selbst in Form
Waschen bei 30 Grad, aufhängen, trocknen lassen, anziehen. Kein Bügeleisen, kein Dampf, kein Wäschekorb, der zwei Wochen wartet. Beim Plisseekleid etwa kommen die Falten aus dem Stoff, nicht aus dem Bügelbrett.
Das klingt nach Bequemlichkeit und ist in Wahrheit der Kern der Sache: Ein Teil, das keinen Aufwand macht, bleibt im Umlauf. Eines, das gebügelt werden will, hängt im Schrank. Die nachhaltigste Bluse ist die, die Ihr tatsächlich tragt.
Prüfen könnt Ihr das an der Pflegeanleitung. Steht dort „bügeln bei mittlerer Temperatur“, wisst Ihr, was Euch erwartet.
2 · Denselben Schnitt gibt es mehrfach
Unser Sortiment ist nach Schnitten geordnet, nicht nach Produkten — jeder Schnitt trägt einen Vornamen. Von 41 Schnitten führen wir 23 in mehreren Stoffen.
Der Schnitt Aino zum Beispiel: dieselbe Bluse im Fantasiemuster, in Rosé und in Weinrot. Derselbe Sitz, drei völlig verschiedene Wirkungen.
Warum das ein Merkmal für Nachhaltigkeit ist: Wenn ein Schnitt einmal sitzt, müsst Ihr beim nächsten Mal nicht wieder suchen, nicht wieder anprobieren, nicht wieder zurückschicken. Retouren sind der unsichtbare Teil der Rechnung.
3 · Länge und Weite werden angepasst
Wir führen die Größen 36 bis 42. Zwischen zwei Größen liegen vier Zentimeter — und wer dazwischen liegt, kauft sonst immer ein bisschen daneben.
Deshalb passen wir an: Länge und Weite eines bestehenden Schnitts, auf Wunsch auch in Über- und Untergrößen. Das ist Maßkonfektion, keine Maßschneiderei — der Schnitt bleibt, die Maße richten sich nach Euch. Wir sagen es genau so, weil der Unterschied zählt.
Wie das abläuft, steht auf der Seite zur Anpassung. Die Maßtabelle und eine Anleitung zum Messen findet Ihr im Größenberater.
4 · Die Farben kommen wieder
37 unserer 73 Teile sind Basis — Schwarz, Marine, Kreide. Das ist kein Zufall, sondern das Prinzip dahinter: Die Farben wiederholen sich über die Kollektionen, statt jede Saison neu erfunden zu werden. Wie das System funktioniert, zeigen unsere Farbwelten.
Praktisch heißt das: Die Samthose in Dunkelblau aus dem Winter funktioniert mit der Velourjacke in Creme und einer Bluse in Rosé. Drei Teile, drei Saisons, ein Look.
Ein Kleidungsstück, das zu nichts passt, was schon im Schrank hängt, wird zweimal getragen. Eines, das sich einfügt, dreißigmal. Das ist der ganze Unterschied.
5 · Die Werkstatt hat eine Adresse
Unser Schneideratelier liegt in Eimsbüttel, der Laden in der Hegestraße 21 in Eppendorf. Stefan und Tobias sind meistens da. Ihr könnt hereinkommen und fragen, wer genäht hat — und bekommt eine Antwort.
Das ist kein Verkaufsargument, sondern eine Prüfmöglichkeit. Fragt bei einem Kleidungsstück nach, wo es gefertigt wurde. Wie klar die Antwort ausfällt, sagt mehr als jedes Siegel auf dem Etikett.
Die ehrlichste Prüfung
Wenn Ihr das nächste Mal vor einem Kleidungsstück steht — bei uns oder anderswo —, sind es im Grunde drei Fragen:
- Muss ich das bügeln?
- Passt es zu drei Dingen, die ich schon habe?
- Weiß der Verkäufer, wo es genäht wurde?
Dreimal ja, und der Rest ergibt sich von selbst. Wer es an unseren Teilen ausprobieren möchte: Im Shop steht das ganze Sortiment, und in der Hegestraße hängt es zum Anfassen.





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